Das scheinbar Banale ist Heide Osterider-Stibors stärkste Inspirationsquelle. Heide Osterider-Stibor sucht nicht. Sie findet. Man müsse nur mit offenen Augen auf die Vielfalt der Wirklichkeiten rundum blicken, sagt sie. Nicht nur schauen, sondern: sehen. Dann gäbe es weder Mangel an Motiven noch Inspirationen.
Die Künstlerin findet also. Speichert das Gefundene, lässt es unterschiedlich lang lagern. Bis zu jenem Moment, den sie als den richtigen empfindet. Richtig, um ins Atelier zu gehen und die inneren Bilder auf Papier oder Leinwand für alle sichtbar zu machen. Sie in komplexe Kompositionen aus Farben und Formen zu verwandeln, denen man ihre Herkunft meist nicht mehr ansieht. Etwa eine nach einem Erdbeben wieder aufgebaute Kirchenwand, die nur mehr Fragmente ihrer ehemaligen Fresken trägt. Oder Teppiche und Stoffe, deren Muster zu tanzen beginnen. Muscheln. Puppen. Gegenstände jeglicher Herkunft.
Walter Titz (Auszug)
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